#870 – VanLife. Nix für Warmduscher.

Foto von Alfonso Escalante von Pexels

VanLife. Das ist das Leben im Van. Mittlerweile ein Trend, jedoch keineswegs neu. Und ich habe es ausprobiert. Eine Woche VanLife Urlaub mit meiner Frau und meiner Tochter.

Wie wir das Ganze überstanden haben und was ich dir als Impulse mitgeben kann, wenn du auch mit dem Gedanken spielst. Das erfährst du heute in meinem Podcast.

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Transkript

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VanLife. Nix für Warmduscher.

Moin aus Hamburg, hier ist der Thomas!

Ja, heute in diesem Podcast geht es um das sogenannte VanLife.

Van. V-A-N. VanLife. Und diese VanLife Community, die wächst und wächst und wächst und wächst und – zumindest aus meiner Beobachtung –, hat sie durch Corona einen echten Aufschwung erlebt. Ja.

Und warum erzähle ich heute was von VanLife? Wenn ich hier in Hamburg lebe, in Blankenese mit Blick auf die Elbe an dem Strandweg, ich habe ja gar keinen Van. Das stimmt, ich habe keinen Van, allerdings bin ich gerne mit dem Van, mit dem Bulli unterwegs. Bulli also, Bulli ist für mich ein VW Bus, Bulli genannt. Und damit bin ich sehr, sehr gerne unterwegs, und damit war ich auch unterwegs in der Woche, wo wir hier in Hamburg die sogenannten Maiferien gehabt haben. Das heißt also, wir waren auf Achse… 7. Mai, da sind wir, glaube ich, losgedüst und am 15.Mai sind wir zurückgekommen.

Und ich kann sagen, VanLife, das ist nix für Warmduscher, denn in der Regel hast du in so einem Van keine warme Dusche sondern nur so einen Wassertank, und das Wasser ist dann letztendlich so temperiert wie die Umgebungstemperatur.

Und die war – zumindest als wir losgedüst sind – fast bei 0°C, also jedenfalls in der Nacht. Und dann kühlt natürlich auch das Wasser ab, denn das ist nicht irgendwo in einem Tank drin, der auch noch beheizt ist. Also jedenfalls war das nicht in unserem California der Fall.

Und VanLife, das ist so, – ja, man sagt so – das ist das einzigartige Lebensgefühl, dass man endlich ungebunden und frei unterwegs sein kann.

Und es heißt ja auch, heute kann das jeder erleben, kann sich einen Camper mieten, losfahren und dann einfach mal den Traum von der sogenannten individuellen Reise in jeder Sekunde voll genießen. Ja, so einfach soll das funktionieren. Freiheit, Achtsamkeit und Naturverbundenheit, das steht auch so für diesen VanLife-Trend.

Ich kann jetzt sagen nach einer Woche, also, wir haben ja schon mal Urlaub gemacht, „Urlaub“ in Anführungsstrichen. Ich mach ja keinen richtigen „Urlaub“ mir so. Wir waren schon mal mit einem etwas größeren Camper unterwegs. Ich bin auch schon 1993 – da hat niemand von VanLife gesprochen –, bin ich schon durch Kanada gedüst mit so einem Pickup-Camper und so weiter. Das war für mich auch kein VanLife. Wusste von VanLife auch nichts. Es hat mir einfach Spaß gemacht, damit unterwegs zu sein. Mir. Mir, dem Thomas. Allerdings habe ich ja zwei Frauen mit denen ich lebe, die Maria und die Lotta, die jetzt im Sommer 16 Jahre jung wird. Und ich kann sagen, die fanden das nicht so lustig wie ich. Also, die erste Nacht, die wir übernachtet haben, als wir an dem Freitag losgedüst sind, hatte für Maria und Lotta den Vorteil, sie konnten tatsächlich im Haus schlafen. Ich, also, – wir haben Freunde besucht – ich mit dem Camper durfte unter das Carport fahren und habe natürlich bei ausgeklappten Dach – also das Dach bei diesem California kann man oben ausklappen und dann kannst du oben pennen wie in so einem Zelt – da hab ich geschlafen. Ungefähr 1°C war die Temperatur in der Nacht. Letztendlich ist dieses Hochdach auch nur ein Zelt und da habe ich schon gemerkt, so UUU, es war rattenkalt gewesen in der Nacht. Mein kleiner Sommerschlafsack hat mir nicht gereicht, und Lotta und Maria, die waren froh, dass sie im Haus schlafen konnten. Und morgens, dann habe ich mit dem Michael, den wir besucht haben, eine Runde gedreht. Wir sind laufen gewesen, und das hat mich dann wieder aufgewärmt. Die anschließende kalte Dusche nach dem Laufen dann auch. Also, von daher VanLife, ja, das ist alles irgendwie ganz toll, aber ist es wirklich immer so angenehm, oder ist es – wie kann ich sagen –, ist das wirklich angenehm, immer im Auto zu pennen? Ja, das klingt ein bisschen besser.

Und dazu habe ich auch gerade heute einer sogenannten VanLiferin, – also einer Frau, einer jungen Frau –, der habe ich eine Mail geschickt und habe sie kontaktiert bezüglich eines Interviews in meinem Podcast. Ich möchte mit ihr darüber reden, denn die lebt schon ein paar Jahre tatsächlich in ihrem Van, hat keinen festen Wohnsitz, ist immer auf Achse und macht das schon ein paar Jahre. Mit ihr möchte ich sprechen und mal alle möglichen Dinge herausfragen wie es für sie ist.

Für mich war die Woche toll. Also, ich hab’s genossen, unterwegs zu sein, mit dem Bulli zu fahren. Alleine schon das Fahren mit einem Bulli gefällt mir so gut. Man sitzt ein bisschen höher, man hat einen besseren Überblick, und wir sind halt auch von hier nach da gefahren. Das hat mir Riesenspaß gemacht. Allerdings ist das natürlich in so einem Camper auch alles begrenzt, was den Platz angeht. Ich selber, ich hatte nur in Anführungsstrichen „zwei Rucksäcke“ dabei. Maria und Lotta hatten, ich glaube, drei oder viermal soviel Gepäck, und wir haben immer ganz viel hin- und herräumen müssen.

Also, du brauchst natürlich auch für so ein Leben wirklich eine klare Struktur, eine klare Ordnung, und du brauchst vor allen Dingen auch vorher schon diesen minimalistischen Ansatz: Du solltest dir vorher schon klar werden: Was brauche ich wirklich?

Brauche ich jetzt für jeden Tag ein neues T-Shirt oder reicht mir jeden zweiten Tag ein neues T-Shirt? Macht es vielmehr Sinn, unterwegs vielleicht mal irgendwo zu waschen. Also meinetwegen in so einem Waschsalon oder einfach von Hand mal irgendwo was waschen. Das sind so ganz, ganz, ganz, ganz viele Dinge.

Und VanLife ist ja jetzt auch nix so ganz Neues. Also, die Holländer, die haben’s nicht erfunden. Die Holländer, die haben einen Wohnwagen-Anhänger, also was anderes als ein Wohnmobil. Die haben’s nicht erfunden. Aber es ist schon eine uralte Geschichte. Also, das ist nix wirklich Neues, VanLife. Die Menschen waren immer schon unterwegs, früher waren’s halt irgendwie Zelte, und irgendwann gab es die Zirkuswagen, mit denen irgendwie die Sinti und Roma unterwegs gewesen sind. Also das ist jetzt wirklich nichts Neues.

Aber dieses VanLife, also dieser Begriff, der ist erst Ende der 2000-er Jahre, – also im Jahr 2000 irgendwie so zum Ende des Jahres 2000 – hat ein amerikanischer Fotokünstler, der heißt Foster Huntington – wenn ich das richtig ausspreche – Huntington, der hat zum ersten Mal den Hashtag benutzt: #VanLife. Und das hat letztendlich dazu verholfen, dass dieser angestaubte Lebensstil wieder so einen neuen Glanz bekommen hat, denn wie sagt, der fahrbare Untersatz, darin zu leben war jetzt keine neue Erfindung. Also, Sinti und Roma, wie schon gesagt, das war irgendwie im 18. Jahrhundert, und dann kamen auch noch Nomaden und Pferdekutschen und so weiter dazu. Aber allerdings hat man eben mit diesem Hashtag von diesem Foster Huntington, da hat man eben so gemerkt; jajaja, leben im Wohnmobil, das ist doch irgendwie ganz geil.

Aber ist das nicht auch nur für Aussteiger, für Hippies oder für Surfer, also Surfjungs? Ne, ist es nicht.

Also, alleine wenn man mal auf Instagram schaut, gibt es über – halt dich fest – über 8 Millionen Beiträge zum # VanLife. Über 8 Millionen Beiträge. Ja, und das hat dann in Deutschland ein bisschen länger gedauert, bis das so rübergeschwappt ist, diese Welle, ja, aus Amerika. Das war so 2016 ungefähr. Und dann hat sich natürlich relativ schnell so eine große Community gebildet, und jetzt gibt es alles mögliche an Lebenstipps und Reisetipps und wie du es alles richtig machen solltest und so weiter und so fort.

 Also, ich will dir heute einfach mal nur mit auf den Weg geben, dass es natürlich wichtig ist, bewusst durchs Leben zu gehen.

Ja. Und einfach mal darüber nachdenken so: „Hey, will ich weiter hier in meiner Betonwohnung leben oder in meinem Betonhaus oder in meinem Holzhaus oder möchte ich einfach mein Leben mal ganz anders leben?“

Wenn du also die Überlegung hast, dein Leben wirklich mal ganz anders zu leben, dann kann ich natürlich sagen, VanLife ist eben nix für Warmduscher. Da solltest du vorher das kalte Duschen trainiert haben.

Und ich gebe dir, wenn du Interesse daran hast, – ja, VanLife – gebe ich dir mal 3 reiche Impulse mit auf den Weg, und dann freu dich halt darauf, wenn sich die VanLiferin, – dessen Name ich hier nicht sage, noch nicht verrate –, zurückmeldet für ein Interview, dann werde ich dich natürlich so schnell wie möglich auf dem Laufenden halten, wann das Interview mit ihr dann eben auch veröffentlicht wird.

Also, meine reichen Impulse für dich heute:

  • Erstens, bevor du jetzt gleich auf die Idee kommst: „Ich kaufe mir einen Bulli!“ Ne! Miete dir erstmal einen für eine Woche.
    Also, erstmal einen Bulli mieten, das ist relativ bezahlbar. Und dann fahr damit durch die Gegend und probier das aus.

    Und wenn du dann wirklich sagst: „Boah, ist das geil! Hey, der Regen hat mir nichts ausgemacht, der Wind nicht! Dass meine Klamotten ständig irgendwie feucht waren, hat mir auch nichts ausgemacht! Dass ich ständig hin- und herräumen musste, dass hat mir auch nichts ausgemacht!“ Dann, ja dann kannst du überlegen, dir so einen Bulli zu kaufen. Allerdings die Preise für Bullis in den letzten Jahren sind extrem gestiegen. Also T1, der erste Bulli, ist fast gar nicht mehr kaufbar. 100 000 € und mehr wollen die Leute dafür haben, für ein bisschen Blech. T2 teurer geworden, T3 ja, auch, T4 sowieso, T5 wird schon wieder bisschen günstiger, weil man da wieder sagt: „Eh, das ist nicht mehr so der ursprüngliche Bulli.“ Und T6, ja, wir hatten jetzt einen T 6.1, also, das ist der geilste, heiße Scheiß, wie man so schön sagt, das Neuste vom Neusten, und ich glaube, der hatte einen Neupreis von 75 oder 80 000 €. Wahnsinn. Ja.

  • Zweite reicher Impuls für dich: Frage dich, ob du wirklich ohne warme Dusche und auch ohne dein eigenes privates Klo auskommst? Auch das ist wichtig, wenn du VanLife machen möchtest: „Ja, ich will diese Unabhängigkeit spüren!“ Dann hast du vielleicht ein Porta Potti, also so ein Chemieklo unter deinem Hintern, aber eben nicht das eigene private Klo. Also, wir hatten ein Porta Potti dabei, und ich kann dir sagen, wir haben es ungenutzt wieder abgegeben, denn Maria und Lotta, die sagten: „Ne, Porta Potti, das ist nicht unser Ding.“ Und das habe ich den Jungs bei der Vermietung, – also bei Ahoi Bulli hier, Ahoi Bulli in Hamburg –, den habe ich das dann erzählt, als ich das Ding wieder abgegeben hab. Und dann sagte er: „Hey, Thomas, kein Problem, nächstes Mal gebe ich dir ein Wurfzelt mit. Ja, das schmeißt du einfach über das Porta Potti drüber und schon kannst du draußen im Freien im Grunde sitzen auch mit dem Zelt drüber, so dass dich keiner sieht, wenn du dein Geschäft verrichtest.“
    Mach dir also klar: Ohne warme Dusche, ist es wirklich so dann mein Leben? Und ja ohne privates Klo, ob das auch so das Richtige für dich ist?
  • Und drittens, mein dritter reicher Impuls für dich heute: Mach dir klar, dass auch ein VanLife-Leben immer ein sogenannter wiederkehrender Tag ist. Dies ist also, du musst dich immer wieder organisieren, und vor allen Dingen auch – fällt mir gerade ein – die Stellplatzsuche. Die Stellplatzsuche ist eine Geschichte, die hast du vielleicht auch gehört – habe ich darüber mit Chris gesprochen im Interview? Aa, ich glaube nicht. – Auf jeden Fall ist die Stellplatzsuche etwas, dass du, wenn du halt jeden Tag woanders sein willst, einen riesen großen Zeitaufwand in Anspruch nimmt. Also, dass man sagt: „Ich halt jetzt einfach an, und dann passt das schon!“ Nee, es funktioniert natürlich im Deutschen Lande nicht immer so, sondern wirklich zu gucken, wo will ich stehen? Ist da eine Straße in der Nähe? Ist da Ruhe? Wieviel Wind ist da? Ist es windgeschützt oder und, und, und? Ein Riesenthema.
    Also, du hast auch ein – ich nenne es mal – ein VanLife-Hamsterrad so oder so.

In dem Sinne, mach dir aber Gedanken darüber, was du so willst. Ich fand das spannend, ich werde wieder losfahren mit einem Bulli. Ja, mit einem Van, allerdings wahrscheinlich dann eher ohne Maria und Lotta. Die haben das alles mitgemacht, das war alles wunderbar. Wir hatten keinen Streit unterwegs. Doch, ein einziges Mal, da habe ich mich verfahren irgendwie. Und da motzte Maria ein bisschen rum. Da sagte sie: „Du hörst ja auch nicht, was die aus dem Navi da zu dir sagt!“ Ich sag: „Maria, das ging nicht ums Hören, ich habe mich verguckt! Ich hab mich nicht verhört, ich hab mich verguckt.“ Aber das eine andere Geschichte. Von daher, ich wünsche dir viel Spaß, wenn du es auch tust! Ich werde sicherlich auch wieder unterwegs sein, aber dann eben wahrscheinlich alleine. Oder mit dem Kumpel, da ist das noch mal wieder eine andere Nummer.

In dem Sinne, sage ich heute für dich: VanLife ist nichts für Warmduscher. Wenn du schon Kaltduscher bist, ist es natürlich super.

In dem Sinne schönen Tag für dich! Schönen Wochenstart!

Das war, ist und bleibt Thomas REICH.

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