#862 – Ich bin ja so aufgeregt

Ich bin ja so aufgeregt
Foto von Tima Miroshnichenko von Pexels

“Ich bin ja so aufgeregt”. Diesen Satz hat wohl jeder schonmal gedacht. Bei einem Vorstellungsgespräch, vor einer Präsentation oder einem Auftritt.

Warum du diesen Satz auch “sagen” solltest, erfährst du heute in meinem Podcast. Viel Spaß beim Reinhören und Ausprobieren.

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Transkript

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Ich bin ja so aufgeregt

Moin aus Hamburg, hier ist der Thomas!

Ach, ich bin ja so aufgeregt. Nein, ich jetzt nicht. Zum Podcast sprechen, also, das habe ich mittlerweile nach über 1000 Sendungen tatsächlich im Griff. Allerdings, dieser Satz: „Ich bin ja so aufgeregt.“, der hat einem Freund von mir tatsächlich über 14 Jahren lang ein wunderschönes Leben beschert.

Was ist passiert? Ich fange mal vorne an. Es war das Jahr 2007. Es war das Jahr 2007, es war im Januar, es war arschkalt draußen hier in Deutschland, und ein Freund von mir, den ich auch vorher schon einige Jahre kannte, mit dem ich auch ein paar Jahre zusammen gearbeitet habe, der suchte einen neuen Job. Und wie das Leben so spielt, hatte ich etwas für ihn. Also, ich nicht als Unternehmen, das sagt: „Hey, komm zu mir, kannst bei mir arbeiten!“, sondern in dem Unternehmen, in dem ich damals auch tätig gewesen bin. Wusste ich, da wird eine Stelle vergeben für einen sogenannten Techniker, und ich wusste: Hey, der Martin, – den Namen darf ich hier sagen, den Vornamen –, der Martin ist Techniker und er ist für diese Stelle geschaffen. Die Herausforderung war damals, 2007, dass der Martin dafür von Deutschland nach Dänemark auswandern musste. Jetzt ist Dänemark nicht so weit entfernt von Deutschland, man kann mit’em Fahrrad rüber fahren oder zu Fuß gehen, trotzdem ist es ein anderes Land mit einer anderen Sprache, mit einer anderen Kultur. Und ich habe Martin angehauen: „Hey, sag mal, du suchst einen Job, hast du Bock drauf?“ und „Ja, klar, hab’ ich.“ Dann habe ich es alles so ein bisschen eingefädelt, habe allerdings meinen dänischen Kollegen gesagt: „Ich habe mit der Sache nichts zu tun, ich stelle euch jemanden vor, ihr guckt euch den an und den Rest macht ihr selber.“ Ich habe also mit der Einstellung und so weiter nichts zu tun. Hatte ich auch wirklich nicht. Das einzige, was ich gemacht habe, ich habe den Martin, 2007 tatsächlich – ich sage mal so – dahin gecoacht, habe ihm geholfen wie er sich auf das Gespräch vorbereitet und so weiter und so fort.

Und dann kam der Tag vor dem Bewerbungsgespräch in Dänemark. Und an dem Abend, ich weiß nicht mehr genau was es für ein Tag war, da hat mich der Martin angerufen, hat gesagt: „Thomas, ich bin total aufgeregt!“ Und ich sag: „Martin, das glaube ich dir. Es geht ja auch um etwas.“ Also, er hatte vorher wirklich ein paar beschissene Jahre hinter sich, brauchte wirklich ein Job, hatte ein paar Schulden an der Backe und so weiter und so fort, wie das im Leben manchmal so spielt. Und er sagte: „Thomas, wenn ich morgen so aufgeregt bin, dann verkacke ich doch wahrscheinlich das Gespräch.“ Und ich habe gesagt: „Martin, du verkackst überhaupt kein Gespräch mehr. Ich weiß, wie das morgen sein wird.“ Also, ich konnte ihm beschreiben, wenn er in das Unternehmen geht, also in das Gebäude hineingeht, wie das aussieht. Und ich habe ihm gesagt: „Martin, bleib ganz entspannt. Fahr dann mit dem Zug morgen hin, und dann kommst du an dem Gebäude an. Du fährst vom Bahnhof einfach mit dem Taxi dahin, und dann wirst du vor einer Drehtür, – vor einer Glastür, die sich dreht –, da wirst du rausgelassen. Das ist der Haupteingang. Und dann gehst du durch diese Drehtür, und wenn du dann in das Gebäude reinkommst, dann kriegst du schon eine freudige Überraschung, denn so ein Gebäude hast du noch nie in deinem Leben gesehen, ein Gebäude, das komplett offen ist. Und in diesem Gebäude wurde tatsächlich – das darf ich auch verraten – Farbe produziert. Das hast du aber gar nicht gerochen. Also, man ist da reingekommen und hat gedacht, man tritt in ein Wohnzimmer. „Also, Martin, du gehst durch die Drehtür, und wenn du durch die Drehtür durch bist, wirst du rechts zu einem Tresen sehen, wie eine Art Theke, tatsächlich. Und wenn du dort bist, dann ist da so eine kleine Klingel wie in so einem Hotel, haust du drauf, „Plingg“ und dann kommt Birgitte.

Birgitte, nicht Brigitte, sondern Birgitte. Eine Dänin, die sieht so und so aus, und die wird sagen: „Hallo, schönen guten Tag!“ und so, „Sie sind bestimmt Martin.“, ja, Nachnamen lass ich jetzt weg, denn die weiß ja auch, dass du einen Termin hast bei Jörgen. Auch da sage ich nur den Vornamen. Der heißt nicht Jürgen, sondern Jörgen. Und dann sagt sie: „Ganz kleinen Moment, ich hole mal eben den Herrn, also den Jörgen.“ Und dann wartest du einfach vorne und kannst dich ein bisschen umschauen. Und dann kommt Jörgen auf dich zu. Du siehst ihn schon von weitem, der trägt ein grünes Poloshirt, das schlabberig aus der Hose hängt, eine Jeanshose, dazu Birkenstock-Sandalen und ist total tiefenentspannt. Und der kommt auf dich zu. Und wenn er dir die Hand gibt, dann erschreckst du dich vielleicht ein bisschen, aus dem Grund, dass er einen festen Händedruck hat. Und wenn der dir sagt: „Hallo Martin! So ‚sön‘, dass du da bist!“, mit diesem „sönen, denisen“ Dialekt, wenn sie ein bisschen Deutsch sprechen und so.

Dann sagst du: „‚Lieber Herr, ich bin so aufgeregt.‘ Das sagst du dem.“

Und Martin ist ausgerastet! Er hat gesagt: „Thomas, bist du bescheuert. Ich soll mich da als Techniker bewerben, ich soll nachher mit Kunden sprechen, ich kann doch nicht dahin gehen und als ersten Satz nach der Begrüßung sagen: ‚Ich bin ja so aufgeregt.‘“ Ich sag: „Doch Martin, erstens, kannst du das, und zweitens, solltest du es tun. Du wirst damit die Stelle wahrscheinlich kriegen.“ Und Martin hat mich völlig für bekloppt erklärt, also, er wusste immer schon, dass ich ein bisschen schräg drauf bin, aber in der Regel wusste er auch: „Scheiße, der Thomas hat meistens echt die besten Tipps.“ Und dann hat er sich ein Herz gefasst und gesagt: „Ok, Thomas, ich vertraue dir, du hast mich schon bis hierhin gebracht, und ich mache das genauso morgen, wenn ich dann da bin.“
Und habe ihm dann noch gesagt: „Martin, warum sollst du das denn sagen?

Aus dem ganz einfachen Grund, dass, sobald du diesen Satz gesagt hast: ‚Ich bin ja so aufgeregt.‘, verschwindet die Aufregung.
Das wird passieren, und dein Gegenüber, in dem Fall der Jörgen, der wird Verständnis für dich haben.“

Und dann geht ihr zusammen in einen Besprechungsraum, ihr geht also geradeaus in das Gebäude hinein. Du hast links die Kantine, da sind’n paar nette Damen, da kannst du mal hinwinken und zulächeln, und dann geht ihr rechts hinten in einen Besprechungsraum hinter Glastüren, das heißt, du siehst also auch, was draußen alles passiert. Es ist alles ganz hell. Du guckst über eine grüne Wiese, es ist wirklich eine gute Atmosphäre. Es gibt lecker Kaffee und es gibt auch ein paar Kekse dabei oder wahrscheinlich auch ein geschmiertes Brötchen. Martin hat gesagt: „Ok, Thomas, ich mache das so, ich vertrau dir.“

Und dann hab’ ich Martin gesagt: „Martin, wenn du dann fertig bist mit dem Gespräch und du bist wieder draußen auf dem Weg mit dem Taxi zum Bahnhof oder du bist schon im Zug, wen rufst du denn als erstes an?“ „Ja Thomas, selbstverständlich dich.“ Ich sag: „Ok.“
Und dann habe ich natürlich gewartet auf den Anruf . Und der Anruf kam. Uhrzeit weiß ich nicht mehr. War irgendwann später Vormittag oder kurz vor Mittag. Und Martin war dran und er war wieder aufgeregt, und er sagte: „Thomas, es ist unglaublich!“ Ich sag: „Was ist unglaublich?“ „Das hat total funktioniert!“ Ich sag: „Was denn?“ Ich hab’ mich ein bisschen blöd gestellt. „Ja, ich bin da rein und das war alles genau wie du beschrieben hast! Und dann kam diese Birgitte und die war total nett und dann kam der Jörgen. Tatsächlich mit dem grünen Poloshirt, was schlabbrig aus der Jeanshose raushängt, und mit seinen Birkenstock Schuhen, und hatte echt einen Händedruck wie so ein Boxer.
Und dann habe ich dem gesagt:

‚Herr soundso, ich bin ja so aufgeregt.‘ Und meine Aufregung ist verschwunden, nachdem ich das gesagt habe.

Und der hat total Verständnis gehabt. Hat mich dann mitgenommen in diesen Raum.“ „Ja,“ sag ich, „hab’ ich doch gesagt.“ Und dann hat es ungefähr – ich weiß nicht mehr genau –, 14 Tage gedauert, dann war ich persönlich in Dänemark. Also, ich habe ja auch für diese Firma gearbeitet, hatte dann 14 Tage nach dem Vorstellungsgespräch von Martin auch einen Termin in Dänemark. Und dann habe ich natürlich den Jörgen getroffen, ich hab’ die Birgitte getroffen, ich hab’ die mal alle getroffen, ein bisschen geschnappt und so… Hab’ ich so beiläufig gefragt: „Sag mal, dieser Martin, den ich euch mal vorgeschlagen habe…“ Also ich habe mich ein bisschen verstellt. Ich hab’ so getan, als wenn ich mit dem gar nicht viel zu tun habe. Ja, dann hab’ ich ihnen gesagt: „Sag mal, war er denn hier?“ Und dann sagt der Jörgen: „Ja, der war hier.“ Und ich habe gesagt: „Und? Könnt ihr mit dem Typen was anfangen?“ Und der Jörgen hat gesagt: „Ja, gude Mann! Gude Mann! Gude Mann!“ So „Gude Mann .“ Ich sag: „Was meinst du mit ‚Gude Mann‘? Taugt der was? Könnt ihr den als Techniker hier gebrauchen? Ich habe ja mit dem Mann auch zu tun.“ Und er sagte: „Ja, er hat viel Fachwissen und so, viel Erfahrung und ist gute Mann.“ Ich sag: „Wie hat er sich denn im Vorstellungsgespräch verkauft?“ Und dann hat der Jörgen mir natürlich erzählt, was Martin’s erster Satz gewesen ist. Und ich habe dann gesagt: „Das hat er nicht gesagt! Das hat er nicht gesagt! Der hat doch nicht gesagt: ‚Ich bin so aufgeregt.‘“ Ich habe das natürlich komplett in die falsche Richtung gespielt, und der Jörgen hat gesagt: „Doch, doch, genau das hat er gesagt. Und weißt du was, Thomas?

Das fand ich total gut, es war total super, dass er das gesagt hat, dass er den Mut gehabt hat, das zuzugeben. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, das der unser Mann wird.“

Und dann habe ich gesagt: „Mensch, das ist ja super, dann freue ich mich und dann halt mich mal auf dem Laufenden.“ Also, ich hab’ dann so abgewunken und wollte im Grunde nicht unbedingt erkannt werden, dass es so eine Kummelei ist. War auch keine! Das sag’ ich dazu.
Und dann hat Martin tatsächlich den Job bekommen, – ich weiß gar nicht mehr – wir haben Bierchen drauf getrunken oder wir sind essen gewesen, ich habe keine Ahnung, oder Küsschen gekriegt oder so, und – ich glaube – ein gutes Jahr, nachdem Martin in der Firma schon gewesen ist, haben wir dann auch mit dem Jörgen irgendwann zusammengesessen in Dänemark. Wir hatten gemeinsame Termine dort und haben natürlich ein paar Bierchen getrunken abends, wie es dann so ist, ne? Kamen wir darauf zu sprechen, wie das Vorstellungsgespräch von
Martin gewesen ist. Und wir haben natürlich uns – wie sagt man so schön – auf die Knie geschlagen vor Lachen, und der Jörgen wusste gar nicht, was los ist, und sagte: „Eh, ihr beiden, was habt ihr so zu lachen?“ Und dann haben wir ihm die ganze Wahrheit dahinter erzählt, und es war lustig und Martin hat auf jeden Fall den Job behalten. 14 Jahre lang hat er dann in Dänemark gelebt und jetzt gerade kommt die Zeit im Mai, jetzt hier aktuell, dass er aus Dänemark wieder zurückkehrt nach Deutschland. Aber er hat 14 Jahre dort ein wunderbares Leben geführt und hat sich auch ja in diesen Job, in dieser Firma wirklich wohlgefühlt. Und das alles mit dem Satz: „Ich bin ja so aufgeregt.“

Also, mein reicher Impuls heute für dich nach dieser Story: Wenn du das selber auch mal erlebst, dass du irgendwie total aufgeregt bist, vielleicht auch jetzt so; wir haben ja seit einem Jahr eine andere Welt und man ist viel mehr vor der Videokamera oder man sitzt vor dem Laptop und guckt in diesen Laptop hinein in die Kamera und hat Videokonferenzen mit irgendwelchen Leuten, und manchmal ist man total aufgeregt, dann ist mein heißer Tipp,

mein reicher Impuls an dich: Sage das direkt am Anfang. Sage einfach deinem Gegenüber, was ist. Und wenn du aufgeregt bist, dann sag deinem Gegenüber oder sag auch deinem Publikum: „Ich bin so aufgeregt.“ oder „Ich bin total aufgeregt.“ oder „Ich bin nervös.“ Sage das, und danach wird die Nervosität oder die Aufgeregtheit verschwinden. Und jeder wird dafür Verständnis haben.

Ganz simpel also, es ist so simpel, dass es fast schon weh tut.

Und Martin und ich, wir haben auch jetzt vor ein paar Wochen darüber geredet und wir haben wieder viel gelacht über die Story, und jetzt macht er ja einen neuen Job hier in Deutschland, da werde ich nicht verraten, wo das ist und was das ist. Da komme ich vielleicht irgendwann mal später dazu. Und da war wieder das Gleiche, das kann ich verraten. Er hatte natürlich dann auch Vorstellungsgespräche per Videokonferenz. Das heißt, er hat seinen neuen Arbeitgeber noch nie live, persönlich getroffen. Er hat das nur vor der Kamera gemacht. Und was hat Martin gemacht bei diesen Gesprächen? Genau. Er war aufgeregt. Es geht ja wieder um was, denn Martin ist – das muss ich dazu sagen – da wird er mal mir vielleicht ein bisschen böse sein, aber Martin ist jetzt mittlerweile 60plus. Es heißt, der hat jetzt noch mal den Job gewechselt, und das wird wahrscheinlich – sage ich mal – so bis zur Rente der letzte Job sein. Und er war natürlich aufgeregt, denn es ging um etwas bei ihm. Er wollte auch wieder zurück nach Deutschland mit seiner Frau, er wollte wieder ein bisschen dichter bei den Kindern und Enkelkindern sein, ja, und er war natürlich wieder aufgeregt und hat wieder diesen Satz nach 14 Jahren benutzt: „Ich bin ja so aufgeregt.“ Diesmal vor der Videokamera. Und es hat wieder funktioniert.

Also, von daher, ich wünsch’ dir viel Aufregung in deinem Leben und ich wünsche dir, dass du diesen Satz benutzt, denn er wird dir wirklich helfen, dass du in deinem Leben einen Schritt, zwei Schritte oder sogar fünf Schritte oder noch viel weiter kommst. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Das war, ist und bleibt Thomas REICH.

 

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