#824 – Scheitern als Chance. „Es irrt der Mensch solang‘ strebt.“

Scheitern als Chance. „Es irrt der Mensch solang` strebt“
Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Scheitern als Chance verstehen. Belügt man sich da selbst? Oder brauchen wir eine Kultur des Scheiterns? 

Warum Niederlagen Dich weiterbringen und was Du tun kannst, um in Zukunft weniger Misserfolge zu haben.
Das heute als Thema in diesem Podcast.

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Transkript

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Scheitern als Chance. „Es irrt der Mensch, solang’ er strebt.“

Moin aus Hamburg, hier ist der Thomas!

Heute am Montag, an welchem Tag der Woche auch sonst, wollen wir mal mit dem Thema „Scheitern“ beginnen.
Und wir wollen Scheitern als Chance sehen, also dass scheitern wirklich auch Chancen sind im Leben, um uns zu verbessern.

Es gibt ja den Satz: „Es irrt der Mensch, solang’ er strebt.“

Also, wir können uns natürlich immer irren mit all dem, was wir tun, was wir planen, solange wir nach irgendetwas streben. Wenn wir nicht mehr streben, wenn wir keine Ziele mehr vor uns haben, na ja, dann werden wir wahrscheinlich auch weniger oder gar nicht mehr scheitern.
Können wir also Scheitern wirklich als Chance verstehen oder belügt man sich da nicht selbst? Oder anders gefragt: Brauchen wir eine Kultur des Scheiterns?
In Deutschland ist es ja so, wenn du erzählst, dass du gescheitert bist, da wirst du ja gleich ein bisschen schräg angeschaut, und du verlierst im Grunde Pluspunkte bei deinen Mitmenschen. Also, Scheitern in Deutschland ist so nicht vorgesehen. Hingegen andere Länder wie zum Beispiel Amerika, ohne dass man ein ausgesprochener Amerika-Fan ist oder sein braucht, wenn wir dahin gucken, dann sehen wir, da gehört scheitern zum Erfolg dazu. Da wird gejubelt, wenn du scheiterst und wenn du weitermachst.

Ich will dir so heute erzählen, warum Niederlagen dich weiterbringen können, und was du tun kannst, um in Zukunft weniger Misserfolg zu haben. All das erfährst du natürlich im heutigen Podcast.

Und ich möchte beginnen mit der Frage, mit der weiteren Frage: Gibt es verschiedene Arten von Niederlagen? Also gibt es immer nur die gleichen Niederlagen oder gibt es eben verschiedenste Arten davon? Und ich teile es mal auf in zwei verschiedene Arten.

  • Es gibt ja eine Niederlage, und zwar die, die mit uns selbst zu tun hat,
  • und es gibt die Niederlage, wo wir abhängig sind auch von vielen anderen Menschen.

Also, was ist eine Niederlage, die mit uns selbst zu tun hat?
Stell dir vor, da ist jemand, Mann, Frau, völlig egal, und diese Person hat sich vorgenommen, einen Marathonlauf zu laufen, meinetwegen das erste Mal im Leben. Und Menschen, die das erste Mal einen Marathon laufen wollen, nehmen sich gerne das Ziel, diesen Marathon auf jeden Fall unter 4 Stunden zu laufen. Also, Marathon heißt 42 und ein paar zerhackte Kilometer. Und die Mehrheit von denen, die das das erste Mal macht, die sagen sich: „Ich muss das unter vier Stunden schaffen.“
Das ist so. Kannst du dir anschauen in Deutschland, also sowieso ein typisch deutsches Ding irgendwie.
So, und nun ist diese Person beim Marathon angetreten, und wann ist sie im Ziel gekommen, er oder sie, nach viereinhalb Stunden oder nach fünf Stunden. Fühlt sich an wie eine Niederlage, fühlt sich an wie gescheitert. Tja.

  • Hat das was mit den anderen zu tun, die auch gelaufen sind, die schneller waren oder die langsamer waren? Nein.
  • Hat es was damit zu tun, dass Menschen zugeschaut haben? Was im Training in der Regel nicht der Fall ist, aber man hat bei so einem Marathonlauf in der großen Stadt, also hier in Hamburg wahnsinnig viele Leute am Straßenrand, die dann die Marathonis bejubeln. Haben die damit was zu tun, dass es nicht geklappt hat, in der Zeit, die sich die Person vorgenommen hat? Nein.
  • Sondern im Grunde ganz einfach: Diese Person ist nicht so schnell gelaufen wie geplant.
    Kann gut sein, dass die Person einfach nicht dafür trainiert hat, nicht genügend trainiert hat, sich überfordert hat, oder während des Laufs auch irgendein Verletzungspech gehabt hat, gestolpert wegen Unachtsamkeit, irgendwem anderen in die Hacken gerannt oder so, und zack, auf die Schnauze gefallen, Knie kaputt, und dann ging es nur noch langsam weiter.

Das ist also eine Niederlage, mit der wir nur selbst zu tun haben, aber nicht die anderen.

Und dann gibt es natürlich die Niederlagen, wo wir von anderen abhängiger sind.

Wir sind abhängig von deren Entscheidungen. Wir können natürlich immer was tun, wir können Energie reinbringen um auch die anderen natürlich in gewisser Weise positiv zu beeinflussen. Nehmen wir mal Ende November, oder war das Anfang November… Anfang November, Ende November, ich weiß gar nicht mehr genau, ich glaube doch eher Anfang November die Wahl in Amerika zum neuen US Präsident. Da bist Du natürlich als möglicher neuer US-Präsident immer abhängig davon, ob deine – „Follower“ hätte ich fast gesagt – ob deine Anhänger, ob deine Fans sich wirklich für dich entscheiden oder eben für den anderen Kandidaten.

Da hast du einen gewissen Einfluss, aber eben nur einen gewissen Einfluss.

Genauso ist es mit Niederlagen, wenn du dann eben der Präsident nicht geworden bist, der du noch mal gewählt werden wolltest, wie wir das jetzt den Fall hatten.

Wenn du dich z.B. auch in einem Unternehmen bewirbst für einen Job, dann bist du auch abhängig davon, was die Meinung der anderen ist: Bist du der richtige Mann, bist du die richtige Frau, bist du der richtige Typ für diese Unternehmen, die eben eine Bewerbung ausgeschrieben haben, auf die du dich beworben hast?

Tja, auch das kann zu einer Niederlage führen, dass du den Job nicht kriegst, und es hat was mit den anderen zu tun.

Und eine Niederlage kann uns natürlich auch klar machen ob wir wirklich uns überhaupt das richtige Ziel gesetzt haben.

Also, gehe ich noch mal auf den Marathon ein. Wenn jemand vielleicht tatsächlich erst 6 Monate vorher mit Laufen begonnen hat, mit laufen begonnen hat, und sich dann für den allerersten Marathon gleich was ausgesucht hat unter 4 Stunden, dazu eine Körpergröße hat – sagen wir mal – von 1,8 m, Klassiker, nehmen wir einen Mann 1,8 m, allerdings mit einen Körpergewicht von 130 kg, tja, dann sollte man vorher drüber nachdenken:

Ist dieser Marathon überhaupt die richtige Sportart, oder, das ist korrekter „das Laufen“ die richtige Sportart für mich? Und dann der Marathon auch gleich das richtige Ziel für mich, wenn ich mit Laufen beginnen will?

Da sage ich: Ne, nochmal drüber nachdenken.

So, was kann ich dir aus meinem Leben erzählen?

Ich hatte viele, viele Niederlagen in meinem Leben, und ich habe mich auch davon erholt. Ich habe etwas getan, ich habe immer wieder neu angefangen.

Z.B. hatte ich mal die Niederlage, dass ich meinen Job verloren habe. Ja okay, hab mir einen neuen gesucht. Dann habe ich einen Job gehabt als Handelsvertreter, also als freier Handelsvertreter. Ich habe dort nur Geld bekommen, wenn ich etwas verkauft habe. Eine Provision gab’s dann. Wenn ich nichts verkaufte, gab’s kein Geld, das hat viele Jahre gut funktioniert, und dann hat es ganz plötzlich nicht mehr funktioniert. Sicherlich auch zum Teil meine ganz eigene Schuld, gar keine Frage. Doch wenn du eben auf das Produkt, das verkauft wird’s, als Handelsvertreter keinen Einfluss hast, dann wird schon wieder schwieriger. Dazu gab es Schulden von insgesamt 400 000 € und mehr.
Ich habe auch schon mal als Coach einen wirklich sehr lukrativen Auftrag wieder verloren. Also, ich habe ihn bekommen, sehr lukrativ, sechsstelliges Honorar, Wow, total Klasse, und dann hat sich die Frau des Unternehmeninhabers eingemischt, und die hat dann dafür gesorgt, dass ich wieder rausgeschubst werde aus dieser Firma. Tja.

Und trotzdem kann ich sagen, mich hat das stärker gemacht.
Ich habe immer analysiert nach so einer Niederlage, was ist schief gelaufen, um zu erkennen, an welcher Stelle ich eine Entscheidung getroffen hatte, die mich nicht zum Ziel geführt hat, oder eine Entscheidung getroffen, die ich zu spät getroffen habe.

All das habe ich immer wieder analysiert, und daraus habe ich dann gelernt, eine neue Strategie angewendet, und habe mir immer wieder Menschen an die Seite geholt, die mich auch unterstützten, und bin wieder an den Start gegangen, um das nächste Ziel zu erreichen.

  • Also analysieren: Was hast du alles gut gemacht? Was hast du alles gut gemacht? Was hast du alles gut gemacht?
  • Und natürlich auch analysieren: Wo gab es Entscheidungen, die nicht ganz so gepasst haben?
Und dann wird eben auch das Scheitern als Chance gesehen.

Das ist dann relativ simpel. Tja.

Jetzt fragen sich viele Menschen natürlich auch immer wieder: Was kann ich denn tun, um Niederlagen grundsätzlich so zu vermeiden, oder gehört es einfach dazu, im Leben auch mal auf die Schnauze zu fallen?

Und ich sage auch hier: Ja. Es gehört dazu, einfach mal auf die Schnauze zu fallen.

Da lernen wir in der Regel mehr, als wenn wir jedes Ziel immer ganz easy-going erreichen.

Wirklich, dann ist das Ziel, wenn wir es so ganz, ganz, ganz easy erreichen, wahrscheinlich ein bisschen zu klein gewesen.

Und um Niederlagen zu vermeiden, ist es eben wichtig, so viel wie möglich in der eigenen Hand zu haben, im eigenen Einflussbereich, also mögliche Einflussfaktoren von außen immer vermeiden.

Und bei jedem Ziel sollen wir uns vorher einfach klarmachen: Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich scheitere?

Und das ist jetzt für diesen Podcast mein letzter Impuls für dich heute:
In acht von zehn Fällen ist da gar kein großes Drama vorhanden. Also, wenn du tatsächlich dir vorher klarmachst, – egal, welches Ziel du hast – was kann denn im allerschlimmsten Fall passieren, wenn ich scheitere, wenn ich das Ziel nicht erreiche?
Und du wirst feststellen, in acht von zehn Fällen ist das gar kein großes Drama.

In dem Sinne wünsche ich dir einen schönen Montag!

Das war, ist und bleibt Thomas REICH.

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